Emil Julius Gumbel (1891-1966): Statistiker, Pazifist, Publizist. Ausstellung

In Kooperation mit der Professur für rechnergestützte Statistik wird die Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität eine Wanderausstellung des Lehrstuhls für Finanzmathematik an der Technischen Universität München präsentieren.

Emil Julius Gumbel (1891-1966):

Statistiker, Pazifist, Publizist
Im Kampf gegen Extreme und für die Weimarer Republik

N.N.

Der Termin für die Eröffnung der Ausstellung wird noch festgelegt. Wir werden Sie und Ihre Freunde rechtzeitig informieren und wie stets herzlich einladen.

Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität
Holstenhofweg 85 • 22043 Hamburg

Programm der Eröffnung
Begrüßung
Prof. Dr. rer. pol. Klaus Beckmann, Präsident der Helmut-Schmidt-Universität
Grußwort
Dr. Detlef Steuer, Institut für Statistik und Quantitative Ökonomik an der Helmut-Schmidt-Universität
Thematische Einführung
Dr. Annette Voigt, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin
„Emil Julius Gumbel – Mathematiker, Publizist und politischer Aktivist
Prof. Dr. Matthias Scherer, Technische Universität München
„Emil Julius Gumbels mathematische Forschung im Kontext der (Mathematik-)Geschichte
Eröffnung der Ausstellung
Dr. Jan-Jasper Fast, Direktor der Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität
Besichtigung der Ausstellung

© Privatbesitz

Die Ausstellung
Emil Julius Gumbel, geboren in München 1891 in ein wohlhabendes liberal-jüdisches Elternhaus, ist im Bereich Statistik weltbekannt – maßgeblich in der Entwicklung der Extremwerttheorie. Auf ihn gehen mathematische Grundlagen zurück, die im Ingenieurwesen und der Versicherungsmathematik heute noch bedeutend sind. Doch er engagierte sich auch gesellschaftspolitisch und war als Mitglied der „Deutschen Liga für Menschenrechte“ sowie linksintellektueller Publizist Weggefährte gleichgesinnter Persönlichkeiten wie Albert Einstein, Carl von Ossietzky oder Kurt Tucholsky. Einzeln und vereint setzten sie sich gegen die aufkommende NS-Bewegung ein.
Gumbel studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Mathematik sowie Nationalökonomie und wurde 1914 zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert. Wie viele seiner Altersgenossen war Gumbel zunächst Kriegsfreiwilliger, wandelte sich aber unter den fürchterlichen Eindrücken, dem Tod seines Bruders und seines Cousins und durch den Einfluss seines Onkels Abraham, der sich in antimilitaristischen Kreisen einen Namen gemacht hatte, innerhalb weniger Monate zum „militanten Pazifisten“.
Aufsehen erregte sein Buch „Zwei Jahre Mord“, eine 1921 veröffentlichte Untersuchung zu den juristischen Nachspielen politisch motivierter Morde, die belegte, wie stark die damalige Justiz rechts(konservativ) orientiert war. Sie bagatellisierte unzählige Morde aus dem rechten Lager, während sie die – vergleichsweise wenigen – linken Täter fast sämtlich zu Höchststrafen verurteilte.

© Technische Universität München

Gumbel wurde zum unbeirrten Fürsprecher der Demokratie sowie Chronisten des rechten Terrors und der heimlichen Aufrüstung. Außerdem trat er als Übersetzer des britischen Mathematikers und Pazifisten Bertrand Russell hervor.
Nach weiteren Studien in Berlin wurde Gumbel Privatdozent an der Universität Heidelberg, an der er sich 1923 habilitierte. Auch in den nachfolgenden Jahren erhob er die Stimme, wann immer er Frieden und Demokratie in Gefahr sah. Damit beschädigte er seine berufliche Existenz als Hochschullehrer in Heidelberg, wo ihn rechtsnationale Studenten und Kollegen anfeindeten. An der Universität wurde er zur persona non grata. Nach dem Beginn der NS-Herrschaft wurden seine Schriften verboten und verbrannt, 1933 wurde er ausgebürgert. Die erste „Ausbürgerungsliste“, auf der neben Gumbel noch heute prominente Politiker und Publizisten (wie Rudolf Breitscheid, Kurt Tucholsky, Alfred Kerr, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Willi Münzenberg und Philipp Scheidemann) standen, wurde im NS-Jargon als Instrument bejubelt, „Volksverräter aus dem deutschen Volkskörper“ auszumerzen. Gumbel konnte sich ab 1933 im Exil in Frankreich eine neue Existenz aufbauen. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1940 konnte er sich in einer spektakulären Flucht nach New York retten. Auch dort gelang es Gumbel, sich als exzellenter Mathematiker zu etablieren. Auf die Fundamente zur Extremwertstatistik, die er entwickelt hatte, konnte er nun aufbauen und zu einem weltweit geschätzten Spezialisten auf diesem Gebiet werden. Sein wissenschaftliches Vermächtnis, das Buch „Statistics of Extremes“ (1958), ist auch heute noch Standard.
Als Gumbel 1966 starb, trauerte die transatlantische Fachwelt um einen exzellenten Kollegen. In Deutschland dagegen war er fast vergessen.
Exponate, Poster und Informationstafeln in der Ausstellung illustrieren die Lebensstationen Gumbels und die Verbindungen zu seinen berühmten Weggefährten. Dabei zeigt die Schau beides: den Mathematiker und den Menschenrechtler. In seiner Person verbanden sich mathematische Exzellenz und gesellschaftliche Courage.

Öffnungszeiten
Mo-Do 9-16, Fr 9-14 Uhr
An Feiertagen geschlossen
Eintritt frei

Bibliothek der Helmut-Schmidt-Universität
Holstenhofweg 85 • 22043 Hamburg